Die Tiefflieger kommen!

Europa und seine Angst vor Russland ist wie ein nervöser Nachbar, der bei jedem Geräusch sofort die Polizei ruft. Irgendwo knackt ein Ast, und ganz Europa flüstert: „Habt ihr das gehört? Das klang russisch.“ Man schaut panisch nach Osten, aktualisiert den Nachrichtenticker im Minutentakt und malt auf Landkarten Pfeile, die verdächtig oft bis kurz vor Paris reichen.
Russland selbst muss dabei nicht einmal etwas tun – es reicht, da zu sein. Schon wird jede Militärparade als Generalprobe für den Weltuntergang interpretiert. Ein Manöver? Angriffsvorbereitung. Ein neues Gesetz? Strategische Täuschung. Ein freundliches Lächeln? Ganz klar Propaganda. Europa reagiert vorsorglich mit Krisengipfeln, ernsten Gesichtern und dem Satz: „Wir sind besorgt.“ Sehr besorgt. Immer.
Das Ganze hat inzwischen etwas Ritualhaftes. Europa hat Angst, Russland fühlt sich bedroht, Europa hat Angst vor Russlands Bedrohtsein – und irgendwo dazwischen friert man gemeinsam und hofft, dass wenigstens der Gaspreis gnädig ist. Die größte Gefahr wäre vermutlich, wenn plötzlich niemand mehr Angst hätte. Das würde alle völlig unvorbereitet treffen.
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